[Rezension] Der bezaubernde Dschinni – Jonathan Stroud: Bartimäus 1 – Das Amulett von Samarkand

IMG_2159[Rezension] Der bezaubernde Dschinn-i – Jonathan Stroud: Bartimäus 1 – Das Amulett von Samarkand

„Das Amulett von Samarkand“ ist der erste Band der abgeschlossenen Bartimäus-Tetralogie des britischen Schriftstellers Jonathan Stroud. Lockwood & Co, seine zweite Buchreihe, gehört längst zu meinen Favoriten. Meine Vorfreude war also riesig, als ich das Buch schließlich in der Hand hielt. Es war nicht ganz so wie erwartet.

Ein bezaubernder Dschinni

Bartimäus, DER GROßE DSCHINN BARTIMÄUS, schaut nicht schlecht, als ein kleines zitterndes Bürschchen ihn beschwört und ihm befiehlt, das Amulett von Samarkand aus der Villa des Magiers Simon Lovelace zu stehlen. Ihm bleibt keine Wahl: Er muss dem Kind gehorchen.
Viel hat Bartimäus in seinem Leben erlebt: An der Seite der Ägypter bekämpfte er die Assyrer, kannte sogar König Salomo. Unter seinesgleichen ist Bartimäus eine Berühmtheit, aber auch eine große Ausnahme: Clever und gerissen, mit viel Humor – und großem Herz.

Ein frühreifer Magierspross

Nathaniel ist ein frühreifer Magierspross, der, gebremst durch seinen Meister Arthur Underwood, große Träume hegt. Unter dem Deckmantel des braven Musterknaben treibt ihn seine Neugier und sein Ehrgeiz tief in die Welt der Magie. Mehr und mehr lernt er, unkontrolliert. Bis er seinerseits Opfer seines Übermuts wird: Mit gerade einmal zwölf Jahren beschwört der wütende Junge einen Dschinn der Stufe 14: Den mächtigen Bartimäus. Eine Begegnung, die keiner von beiden so schnell vergessen kann und wird.

In einer Welt, düster wie eine Tabakkiste – von innen

Die Sicherheit der von mächtigen Zauberwesen bedrohten Welt liegt in den Händen der Britischen Zauberer, behaupten die Zauberer selbst; ohne sie versänke die Welt in Chaos. Darum wird das Land durch eine Elite geleitet: Sowohl der Präsident, als auch die Minister sind allesamt Magier. Sie beschützen das Volk, oder nicht?
Die Welt der Bartimäus-Reihe ist ein düsteres von Armut geprägtes London unter der Schreckensherrschaft der reichen Magier. Ihre Macht beziehen die Zauberer durch von ihnen beschworene Wesen, und davon gibt es allerhand! Die Vielfalt der Wesen, die Kreativität der von Stroud erdachten Zauberwelt ist großartig. Es gibt Artefakte, Elementkugeln und Büßerglocken. Es gibt Botenkobolde und Gestaltwandler, Schutzmechanismen und magische Bodyguards.
Die Welt der Magie ist gefährlich – die größten Feinde der Magier sind andere Zauberer: Sie sind ehrgeizig, rachsüchtig, skrupellos und hinterhältig – und vor allem sehr mächtig. Für Nachwuchs ist gesorgt: Kinder werden ihren Familien entrissen, bei wohlhabenden Magiern ausgebildet und auf grausam-strenge Art erzogen, um Höchstleistungen zu erbringen. Eines Tages werden sie ihnen ins Parlament folgen. Dennoch, so schrecklich das Waisendasein ist: Die ausführliche Lebensgeschichte Nathaniels tötete gleich zu Anfang jeden Lesespaß in mir. Darum brauchte ich drei Anläufe, um es bis Seite 100+ zu schaffen. Schade.

Meine zweischneidige Meinung

Das Buch der 1001 Perspektiven: Völlig unterschiedlich schildern Nathaniel und Bartimäus ihre Erlebnisse in der altbackenen Londoner Fantasywelt. Genau das war mein Problem mit dem Buch.
Bartimäus´ Abenteuer ist magisch und außergewöhnlich. Durch ihn erfahren wir die Welt aus der Ich-Perspektive, wahlweise auch durch die Augen einer Amsel, einer Fliege oder eines ägyptischen Teens mit erfrischendem Humor aus einer längst vergangenen Ära, wobei Außen- und Innensicht nochmals wechseln. Jedes Geschöpf hat seine eigene Wortwahl, was eine ganz einzigartige Stimmung voller Spannung aufbaut. Bartimäus ist eine der außergewöhnlichsten Perspektiven, die ich je gelesen habe. Die Welt braucht mehr davon!
So bunt Bartimäus Welt ist, so trist ist Nathaniels. Als Waisenkind wächst er in einer Welt ohne Mutterliebe auf. Seine Rettung ist Mrs Underwood, der er sein Herz schenkt; viele Seiten lang lässt er sich zuhaus von ihr bekochen. Dabei erlebte ich Nathaniel als toughes Kind, das sich selbst nicht viel beklagt. Dennoch: Einfühlsam (oder überemotional?) schildert Stroud jede Erfahrung in Nathaniels Leben, die vielleicht Einfluss auf ihn genommen haben könnte; bei einem 544 Seiten langen Buch kommt da allerhand zusammen. Ich wurde ungeduldig, freute mich jederzeit auf Bartimäus´ Parts, war enttäuscht, wenn wieder Nathaniel an der Reihe war.

Überraschung!

Das Buch war zu keiner Zeit so wie erwartet. Zum einen ist es mit Lockwood und Co nicht zu vergleichen. Zu jeder Zeit hatte ich das Gefühl, die Zielgruppe für diese Reihe sei viel jünger. Dennoch: Bartimäus hat mit seinen 544 Seiten satte hundert Seiten mehr als der All-Age-Geisterkrimi Lockwood 3! Dennoch: Die Dschinn-Passagen machen richtig viel Spaß! Zudem bezieht sich Stroud in Bartimäus auf eine Menge geschichtlicher Hintergründe, welche Kinder nicht verstehen würden. Vielleicht macht auch gerade dies den Charme aus. Sein Humor tut es auf jeden Fall: Bartimäus sieht das Leben auf eine faszinierende Weise.
Das Buch wurde von Seite zu Seite besser. „Das Auge des Golem“ (Teil 2) werde ich auf jeden Fall lesen – allerdings später, wenn ich Zeit (und Nerven) für einen dicken 672 Seiten starken Wälzer habe, der vielleicht ähnlich lange Strecken haben könnte.

Stern3-1

Zum eBook

Einzelne Passagen im Buch sind mit Fußnoten bekennzeichnet; der Fußnotenschlüssel befindet sich am Ende des Buches. Für eBooks finde ich das denkbar unpassend; ich empfehle euch, das Taschenbuch zu lesen. Ich habe das Buch auf meinem eReader, die Fußnoten auf Tablet gelesen. Vielleicht ist das gezielte Blättern auf anderen eReadern möglich, leider hakts bei meinem langsamen Reader.


[Übersicht] Jonathan Stroud: Bartimäus Tetralogie (abgeschlossen)

1. Das Amulett von Samarkand [Amazon]
2. Das Auge des Golem
3. Die Pforte des Magiers
4. Der Ring des Salomo


Das Amulett von Samarkand Book Cover Das Amulett von Samarkand
Bartimäus 1
Jonathan Stroud
All Age Fantasy
cbj
01.08.2005
eBook
544

Der Dschinn Bartimäus bekommt eines Tages in London den Auftrag, dem hochnäsigen Zauberschüler Nathanael zur Seite zu stehen: ein Auftrag, der Bartimäus zunächst alles andere als glücklich macht. Doch schon bald stecken die beiden in einem Abenteuer, das sie wie Pech und Schwefel zusammenschweißt. Nathanael versucht sich am mächtigen Zauberer Simon Lovelace zu rächen und ihm das berühmte Amulett von Samarkand zu stehlen und mit Bartimäus’ Hilfe könnte ihm das auch gelingen...

3 Gedanken zu “[Rezension] Der bezaubernde Dschinni – Jonathan Stroud: Bartimäus 1 – Das Amulett von Samarkand

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: