[Rezension] Zum Miträtseln: Chris Chibnall und Erin Kelly: Broadchurch – Der Mörder unter uns (Buchvorlage zur Serie)

IMG_2305[Rezension] Zum Muträtseln: Chris Chibnall und Erin Kelly: Broadchurch – Der Mörder unter uns (Buchvorlage zur Serie)

Broadchurch ist eine Krimi-Serie zum Miträtseln. Die ITV-Serie habe ich bereits vor einiger Zeit gesehen und fand sie großartig! Das Buch setzt den Schwerpunkt auf tiefe Einblicke in die Charaktere (was ich weniger mag), aber punktet durch einen bezaubernd bildlichen Schreibstil, der seinesgleichen sucht. Ihr könntet etwas verpassen! Doch fangen wir vorne an:

Broadchurch – Ein fiktives Nest in England

„Eine Straße führt rein, eine raus. Broadchurch liegt nicht eben mal auf den Weg, hier kommt man nicht zufällig vorbei.“ So beginnt der Krimi vom Torchwood-Head-Writer Chris Chibnall.
Das verschlafene Küstendorf in Südwest-England ist Schauplatz eines mysteriösen Mordfalles: Der elfjährige Danny Latimer wird am Strand tot aufgefunden. Die Polizei, allen voran D.I. Hardy und D.S. Ellie Miller, ermitteln. Das ungleiche Team: Der Ermittler von außerhalb und die Dorfpolizistin, die mit jedem im Dorf befreundet scheint.
Nach und nach kriecht kaltes Misstrauen in die beschauliche Gemeinde. Ein jeder scheint ein düsteres Geheimnis zu verbergen, die Ermittlungen beleuchten manch´ menschlichen Abgrund. Wem kann man noch trauen?
Der Tod hat das unscheinbare Nest heimgesucht, und er bringt die Sensationspresse mit sich. Ist das Dorf und Dannys Familie diesem Druck gewachsen?

Zum Miträtseln: Wer ist es?

„In dieser Nacht stört kein Autolärm die Stille, und der schwarze Asphalt der Küstenstraße wird von keinem Scheinwerferlicht gestreift. Niemand kommt rein nach Broadchurch, und niemand kommt raus.“
Die Spielregeln werden bereits im Prolog geklärt: Jemand aus dem Dorf ist der Mörder. Jeder Charakter wird jetzt vorgestellt: Mit Job, Familie, Eigenschaften, Hobbies und Kontakten. Eine Spielfigur nach dem nächsten wird aufs Spielbrett gestellt, von allen Seiten beleuchtet. Man lernt sie kennen und mögen, zweifelt und hinterfragt.
Und man muss umdenken: Viele Dinge, die in der Anonymität einer Großstadt alltäglich sind, schlagen in einer vertrauten Dorfgemeinschaft große Wellen.

Die Latimer : Eine Familie wie deine und meine

„Ihr Reihenhaus gleicht allen anderen in der Siedlung; und ihre Siedlung gleicht allen anderen im Land.“
Familie Latimer ist der Inbegriff einer normalen Familie: Mark ist Klemptner und seit über 15 Jahren mit Beth zusammen. Seine hübsche Frau arbeitet aushilfsweise in der Touristeninfo. Oma Liz hilft aus und kümmert sich mit um ihre zwei Enkel: Danny (11) und Chloe (15). Ihr ganzes Leben wohnten sie in Broadchurch: Dort lebt ihre Familie, ihre Kollegen und Freunde. Doch verbirgt das stille Dorf einen Mörder.

Serie oder Buch?

Mein erster Gedanken: Das Buch ist 1:1 wie die Serie. Jede Szene, jeder Hinweis, sogar die Dialoge. Auf den zweiten Blick unterscheiden sich Buch und Serie im Detail: So deutet die Serie manches Geheimnis durch Kameraschwenk an, ohne dass dies im Buch erwähnt wird. Aber das sind Kleinigkeiten. Eigentlich empfehle ich immer erst das Buch zu lesen und dann erst die Serie zu schauen. (The 100 hat mich das gelehrt!)
Bei Broadchurch hätte mir die Serie gereicht. Das hat folgenden Grund: Die Serie zeigt tolle Landschaftsaufnahmen, die das Gesamtbild des Dorfes einfangen, wie das Buch es nicht kann. Das Buch dagegen bietet tiefere und persönlichere Einblicke in die Charaktere, vor allem in Beth und Ellie. Mir als Festlandeuropäer geben die Bilder der unbekannten Landschaft mehr. Zudem mag ich stark gefühlsbetonte Dramen nicht, und die Einblicke in die Charaktere sind sehr intim und herzzerreißend.

Bildlicher Schreibstil und tiefe Einblicke

„Eine Ader pocht in seiner Schläfe wie ein unter der Haut eingeschlossener Wurm.“
Dennoch bin ich froh, das Buch gelesen zu haben. Zum einen, weil mir diese außergewöhnlich bildliche Schreibweise sonst entgangen wäre. Zum anderen, weil ich für manche Hinweise tatsächlich zwei Anläufe brauchte. Die Innenperspektiven des Buches sind teilweise verstörend, aber ergänzen die Serienbilder meiner Erinnerungen durch Tiefe. Trotzdem sind sich Serie und Buch sehr ähnlich: Sie beleuchten das Dorf und seine Bewohner vollständig und halten die Spannung bis zuletzt. Und sie überzeugten mich – das Buch etwas weniger als die Serie.

Stern4
Zur Serie: Die zweite Staffel Broadchurch, von der es keine Romanvorlage gibt, wird im Frühjahr 2016 im ZDF laufen. Die Staffel zuvor aus England zu importieren lohnt nicht, denn ich verstehe kein Wort von Tennants schottischen Akzent. 🙂


Broadchurch - Der Mörder unter uns Book Cover Broadchurch - Der Mörder unter uns
Chris Chibnall, Erin Kelly
British Krimi
Fischer
18.08.2014
Taschenbuch
448

In diesem Ort gibt es viele GEHEIMNISSE. Aber nur einen, der mordet, um seines zu bewahren.
Danny Latimer war elf Jahre, als er starb. Sterben musste. Seine Leiche fand man unten am Kliff. Bei ihren Ermittlungen stoßen Ellie Miller und Alec Hardy in dem kleinen Ort Broadchurch an der englischen Südküste auf mehr Verdächtige, als ihnen lieb ist. Dannys
Vater hat kein Alibi für die Tatzeit. Wo war er in dieser Nacht? Dannys Freund hat sämtliche Nachrichten von seinem PC und Handy gelöscht. Worum ging es da? Der Zeitungsverkäufer, die unfreundliche Frau im Trailerpark, der Postbote – sie alle haben etwas zu verbergen. Aber was? Als die Wahrheit ans Licht kommt, ist in Broadchurch nichts mehr, wie es einmal war. Wer ist der Mörder von Danny Latimer?
***Endlich als Buch: Die TV- Mega-Erfolgsserie aus Großbritannien***

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