Der Galgen von Tyburn Ben Aaronovitch Flüsse von London The Hanging Tree Buchreise

Buchreise Der Galgen von Tyburn – Ben Aaronovitch

Buchreise Der Galgen von Tyburn Ben Aaronovitch Flüsse von London The Hanging Tree BuchreiseBuchreise Der Galgen von Tyburn von Ben Aaronovitch

Am 5.5. erschien der sechste Band der Flüsse von London: Zeit für meine ganz eigene Buchreise Der Galgen von Tyburn. Dies ist keine Rezension. [Hier geht´s zur Rezi.] In meinen Buchreise beleuchte ich die Hintergründe eines Romans, stelle Handlungsorte vor und erkläre Verweise zu vorherigen Bänden. Es ist ein bisschen Lesetagebuch, Fragen fragen und unnützes Wissen. Ich werde aber um jeden Preis verhindern, die Story zu spoilern – dennoch können kleine Spoiler im Beitrag enthalten sein. Am besten lest ihr diesen Beitrag parallel zum Buch und springt von Punkt zu Punkt – immer, wenn ihr das jeweilige Kapitel beendet habt. Viel Spaß!

Vorsicht! Ich spoilere die Handlung bis einschließlich Band 4: Der böse Ort!

(Da ich mit dem Text bereits vor Veröffentlichung der deutschen Ausgabe begonnen habe, gibt es teilweise die Seitenzahlen beider Versionen EN & DE. )

Diese Buchreise hat folgende Stationen:

Der Anfang: Seite 1-52; Kap. 1&2

1. Lady Tys Gefallen: Ein Rückblick [Kap. 1; S. 9]
2. Eine Leiche im One Hyde Park: Unter Superreichen [Kap. 1; S. 14]
3. Flüsse in Bildern: Die Comics [Kap. 2; S. 43]
4. Welcome back, DC Carey [Kap. 2; S. 44]

Die Mitte: Seite 75-134; Kap. 3-5

5. Jonathan Wild: Vom Dieb zur Legende [Kap. 3; S. 75]
6. Ein Fuchs unter Wölfen [Kap. 4; S. 88-90]
7. Statusupate Abigail? [Kap. 3; S.75]
8. Über Awa Shambir [Kap. 5; S. 112]

Nach dem Ende: Wilde Spekulation ab S. 415+
7. Hintergründe zum Titel – Der Galgen von Tyburn
inkl. meiner Meinung: Wie geht´s weiter?

Hintergründe zum Roman: Schreibprozess & Release
8. Literatur in Literatur
9. Das Drama ums Erscheinungsdatum
10. Twitter: Das hat mir ein Vöglein gezwitschert…
11. Neue Reihenübersicht: Die Flüsse von London


Die Story in Kurzfassung: 

Im Luxusappartement-Komplex One Hyde Park wird die Teenagerin Christina Chorley tot aufgefunden. Zum Todeszeitpunkt war eine Gruppe Jugendlicher bei ihr, zu denen auch Lady Tyburns Tochter gehört. Lady Ty fordert bei Peter einen alten Gefallen ein: Er soll sicherstellen, dass Olivia nicht in den Fall involviert wird. Peter Grant ermittelt im London der Superreichen.


Kapitel 1: Worum geht´s?

Lady Tyburns Gefallen – S. 9

Peter wusste, dass dieser Tag kommen würden. Nur war es mitten in der Nacht.

Seit Peters Begegnung mit einem Erdbändiger in Band 3: „Ein Wispern unter Baker Street“ steht Peter tief in Lady Tys Schuld. Denn der gegnerische Magier vergrub Peter lebendig unterhalb der U-Bahn-Station Oxford Circus. Auf S. 341 meiner „Wispern“-Version befreit Lady Ty ihn aus der misslichen Lage. Nun fordert Lady Ty nach zwei weiteren Bänden also die Einlösung seiner uralten Schuld.

„Haben Sie mich um Hilfe rufen hören?“, fragte ich, (…) „Ich habe mit Magie gerufen.“
„Ich habe Sie gerochen, Kleiner“, sagte sie. „Sie haben mir die Wasserkanäle vollgestunken, und ich hätte Sie fast Ihrem Schicksal überlassen, aber ich wollte das Risiko nicht eingehen, dass Sie tot womöglich noch schlimmer gerochen hätten.“
Sie beugte sich herab, bis ihre Lippen an meinem Ohr waren.(…) „Eines Tages“, flüsterte sie, „werde ich Sie um einen Gefallen bitten, und Sie wissen, was Sie dann zu antworten haben?“ (S. 341)


Eine Leiche im One Hyde Park: Unter Superreichen – S.14

„Hyde Park Nummer Eins hockte neben dem Mandarin Oriental Hotel wie ein Stapel Büromöbel. Es besaß die Eleganz und den Charme eines Kopiergeräts – na gut, sagen wir: einer ultramodernen Kopier-Scanner-Fax-Kombination. Sicher, wie Beverly so schön sagt, habe ich gewisse Ansichten, was Architektur angeht.“- S. 14

© Rob Deutscher

„It is famously the most expensive block of flats in Britain, which just goes to show that property really is about location, location, location.“ – S.6 EN/S.14 DE

Im exklusiven Appartmentkomplex One Hyde Park (DE: Hyde Park Nummer Eins) befinden sich nicht nur die teuersten Wohnungen Englands, sondern der ganzen Welt. Die 86 Wohneinheiten befinden sich im Herzen Londons. Durch unzählige Sicherheitsmaßnahmen abgeschirmt, leben dort die einflussreichsten Menschen der Welt unter sich. Ein Penthouse im One Hyde Park kostet 162 Millionen Euro. Luxus der Superlative! [Quelle: Imposanter Artikel auf welt.de]

In diesem Gebäude also wird Christina Chorley tot aufgefunden. Peter Grant und Partnerin Guleed betreten wahrlich eine neue Welt. Kein Kontrast könnte größer sein als der zwischen dem Peckwater Estate [Buchreise Schwarzer Mond], wo Peter Grants Eltern wohnen, und diesem Luxuskomplex. Dennoch, so weiß er, sind beide Seiten Teil seines Lebens: Denn seine Ermittlungen führen ihn in jeden Teil Londons, quer durch alle Bevölkerungsschichten und öffnen ihm Türen zu den meist verborgenen Orten.

„Because I am an officer of the law (…) my arm doth reach into all places, yea even unto the citadels of the mighty. This particular citadel of the mighty was reached by a glass-sided lift which ran up a completely transparent service core that allowed one – and one assumes that here one refers to one as one – to appreciate the view over Hyde Park which, after all, is what one has paid upwardsto ten million to enjoy.“ S.8/9 EN/S.17 DE


Kapitel 2: Comics & Entwicklung – S. 43/44

Flüsse in Bildern: Verweis auf die Comics – S. 43

„What with the jazz thing, the underground thing, the business with the haunted car, the Russians and let´s not forget the mould – however hard we try to – Belgravia MIT had bowed to the inevitable and given me my own desk in the Outside Inquiry Office.“ – S. 34 EN/S. 43 DE

Bleiben wir bei Klartext: Neben der Jazz-Sache in Band 2 und dem Underground-Ding unter der Baker Street im dritten Band sind weitere kurze Fälle zu den Flüssen von London erschienen. Seit 2015 erscheinen fast durchgehend neue Comic-Episoden. Leider sind diese bisher ausschließlich auf Englisch erschienen.

Die Sache mit dem „verfluchten Auto“ bezieht sich auf Body Work, den ersten Band der Comics. Im zweiten Band Night Witch dreht sich alles um die russische Hexe Varvara Sidorovna. Black Mould, der dritte Comic, befasst sich mit dem Rätsel um die Ausbreitung von mysteriösen Schimmel. Zur Veröffentlichung des „Hanging Tree“, wie der Galgen von Tyburn auf Englisch heißt, war der letzte Comic noch nicht einmal abgeschlossen. Dennoch wird er im Buch als bereits abgeschlossener Fall dargestellt.


Gestatten, DC David Carey. – S.44

„I say my own desk, but actually I shared it with Guleed and a white DC called David Carey.“ -S.34 EN/S. 44 DE

An dieser Stelle wunderte ich mich, dass keine Vorstellung von DC Carey erfolgte. Wie mir später (mit etwas Hilfe. Danke!) klar wurde, kommt DC Carey bereits in „Ein Wispern unter Baker Street“ vor. (An die Person konnte ich mich erinnern; der Name war weg.) Auf Seite 53/54 meiner Ausgabe wird er auch vorgestellt:

„Aus diesem Massenauflauf [an Polizisten in Station Baker Street] nahm ich zwei DCs in meinem Auto nach Ladbroke Grove mit. (…) Eine der beiden Detectives in meinem Auto war Sahra Guleed (…). Auf den Rücksitz quetschte sich ein fülliger blonder DC. „David Carey. (…) Angehörigenbetreuung.“[, sagte er.]


Kapitel 3 & 4: Mythen & Märchen – S. 74-90

Quelle: WikiJonathan Wild: Vom Dieb zur Legende – S.74

Jonathan Wilds letztes Rechnungsbuch ist ein zentrales Element des Buches. Im 18. Jahrhundert war Jonathan Wild einer der berühmtesten Diebe Londons. Über viele Jahre hinweg führte er ein Doppelleben: Er vertrat sowohl die Seite des Gesetzes, indem er als sogenannter Diebesfänger Kriminelle an die Gerichte überstellte. Gleichzeitig agierte er im Untergrund als Hehler und führte selbst ganze Diebesbanden an. Am Galgen landeten nur konkurrierende Banden und Diebe, die nicht kooperierten. Dafür sorgte er über Jahre, bis man sein Geheimnis herausfand. 1725 wurde er am Galgen von Tyburn gehängt.

Dass Ben Aaronovitch ausgerechnet ihn als Besitzer des wertvollen Buches auswählte, kann ich gut verstehen. Denn sein Doppelleben als gefeierter Held und krimineller Drahtzieher brachte ihn in eine mächtige Position innerhalb Londons: Wertvolle Besitztümer gingen durch seine Hände; man vertraute ihm. Wäre ein solch wertvoller Schatz im 18. Jh. in London in Umlauf gewesen – Jonathan Wild hätte es gewusst und (wie kein anderer) die Macht und den Einfluss gehabt, ihn zu beschaffen und zu unterschlagen.


Reynard Fossman: Ein Fuchs unter Wölfen – S. 88 – 90

Quelle: Wiki

„Er hieß Reynard Fossman und war unerfreulich erfreut, mich zu sehen. (…)
„Mr. Fossman“, sagte ich.
Er lächelte mich füchsisch an. „Wie schön. Sie erinnern sich an mich.“ – S. 74

Reynard Fossman ist von allen Charakteren der wohl trickreichste. Er ist der Gestalt eines Fuchses in Fabeln nachgestellt und vereint die wichtigsten Charaktereigenschaften in einer wiederkehrenden Demi-monde-Figur: Er ist schlau, gerissen und flink.

Auf Seite 88 des Galgens wird eine Parallele zu Reineke Fuchs hergestellt, der Hauptfigur eines mittelalterlichen Epos, welcher in Europa in zahlreichen Umsetzungen bis heute ein Begriff ist. „Darin wird erzählt, wie sich der Übeltäter Reineke, der Fuchs, durch geniale Lügengeschichten und ausgesuchte Bosheiten aus allen prekären Lagen rettet und am Ende gegen seine Widersacher als Sieger durchsetzt.“ [Quelle: Wiki] Für mich ist Reynard Fossman die unberechenbarste Figur in diesem magischen Schachspiel.

„Individuen wie Reynard gibt es gar nicht selten“, erklärte Nightingale. „Es ist oft schwer zu sagen, ob sie bewusst oder unbewusst versuchen, eine Figur aus Sage oder Mythos nachzuahmen, oder ob die in der Tat eine Inkarnation dieser Figur sind.“
„Und was wäre der Unterschied?“, fragte Seawoll.
„Nun, im ersteren Fall sind sie recht harmlos. Aber sollte er tatsächlcih die fleischgewordene Sage sein, dann dürfte er eines der gefählichsten Individuen sein, denen sie je begegnet sind.“
„Gefährlicher als Sie?“
„Möglicherweise werden wir das bald herausfinden.“  – S. 90


Montreux Jazz Café in Harrods – S. 94

© DAVID ILIFF
© DAVID ILIFF

„Das 1851 gegründete Harrods ist der größte in Familienbesitz befindliche Kramladen der Welt. Wobei es nicht sehr wahrscheinlich ist, dass einer aus der Königsfamilie von Qatar hinter der Kasse sitzt. Es umfasst zwanzigtausend Quadratmeter der weltteuersten Immobilienkategorie und lag, wie ich nicht umhinkonnte zu bemerken, keine dreihundert Meter von unserem Tatort im Hyde Park Nummer Eins entfernt.“ – S.94

Wahrscheinlich kennt ihr das Harrods in London, denn es ist DAS Einkaufszentrum in der Metropole. Neben teurer Designerware bietet dieser überdimensionale Tante-Emma-Laden auch diverse Restaurants und Cafés. [Eine Übersichtskarte gibts auf harrods.com] In einem davon verabredet sich Peter: Im Montreaux Jazz Café im Harrods.

©Havwoods
©Havwoods International; Quelle: http://www.havwoods.co.uk

„Drinnen waren die Wände grau verputzt mit schwarz und weiß gefliesten Flächen dazwischen, es gab einen Edelstahltresen und an den Tischen runde Stühle aus PVC. Auf ein paar Wandborden standen antike Tonbandgeräte. Es war nicht mal authentisch genug für die Disney-Version eines Jazzcafés.(…) Die beiden großen Bildschirme an den Wänden zeigten Videos vom Montreaux Jazz Festival.“ – S.96 

Wer genau hinsieht, der entdeckt sogar die Fliesen in der Ecke. Leider war dies das einzige Foto, was ich von der Location gefunden habe. Denn das Montreux Jazz Café hat zum Zeitpunkt der Romanveröffentlichung bereits wieder geschlossen. Einen möglichen Grund dafür findet man vielleicht in Aaronovitchs Beschreibung. 😉


Kapitel 3 & 5: Alte Bekannte – Neue Parteien

Seiten 75-134; Kap. 3-5

Hier sammle ich Personen, die in den vorherigen Bänden bereits einen Auftritt hatten, und im Galgen von Tyburn zumindest erneut erwähnt werden. Schnappt euch die alten Romane und lest nach! (Infos aller Romane sind wichtig, alle Romane sind durch Aktionen und Figuren verknüpft; einzig nach dem Fingerhut-Sommer kräht kein Hahn. Seltsam?!)


Wurde Abigail befördert? – S. 74

Auf S. 74 im Galgen wird eine Situation erwähnt, an die ich mich zuerst nicht erinnern konnte: Reynard Fossman soll sich an Peters 13-jährige Cousine herangemacht haben. Nach etwas blättern im Bösen Ort fand ich den Hinweis auf Seite 177: Abigail schildert Peter diese Situation. Aber wer war noch gleich Abigail?

Zurück zum Wispern: Abigail leitet den Underground-Fall mit der Beobachtung eines Geistes ein. Dort wird sie auf der ersten Seite direkt als Nachbarstochter von Peters Eltern vorgestellt. Wurde sie also im Galgen befördert? Nein, der Schwarze Mond über Soho bringts auf S. 217 auf den Punkt:

„Kennst du Abigail?“[,fragt Peter seine Mutter, nachdem er Abigail im Hof getroffen hat.]
„Natürlich. Das ist die Tochter von Adam Kamara.“ Der Name kam mir vage bekannt vor; Adam gehörte zu den mehreren Dutzend Verwandten, die der Einfachheit halber als Cousins bezeichnet wurden – wobei unter diese Definition sowohl meine leiblichen Onkel als auch der weiße Bursche aus dem Friedenskorps fielen, der 1977 zufällig ins Haus meines Großvaters spaziert und nie wieder gegangen war.“ 

Antwort: Abigail ist von allem ein bisschen, aber nichts eindeutig. Hier sieht man sehr schön die Verbundenheit in der fremden Kultur. Die Tatsache, dass Peters Mum inmitten des anonymen Sozialwohnblocks Peckwater Estate neue enge (Familien-)Bande knüpft, macht für mich die Metropole London etwas greifbarer. Ein Blick in die vorherigen Bücher lohnt sich jederzeit, da wirklich viele Charaktere immer wiederkehren.


Awa Shambir – S. 112

Awa Shambir tauchte bereits in „Der böse Ort“ auf. Bei ihren Recherchen zur Firma Country Guard treffen sie zufällig im Büro auf eine Putzfrau.

„Niemand drin“, sagte ich, aber genau in dem Moment wurde drinnen ein Staubsauger angeworfen. (…) „Polizei! Aufmachen!“ – S. 358

Eine Erscheinung, an die man sich erinnern sollte:

„Wir standen der größten Somalierin gegenüber, die ich je getroffen hatte. Mitte dreißig, schätze ich, und gut zehn Zentimeter größer als ich, mit ruhigem, ernsten Gesicht und traurigen braunen Augen. Sie trug einen blassen Arbeitskittel aus Polyester, der an ihr wie eine Weste aussah, und einen teuren Hijab aus lila Seide.“ – S. 359

„Ich hielt meinen Dienstausweis hin und erklärte, dass wir ein paar Fragen zu Country Guard hatten.
„Mit denen hab ich nichts zu tun“, sagte sie. „Ich arbeite für Fountain Büroreinigung.“(…)
Ich (…) notierte mir ihren Namen, Awa Shambir, samt Kontaktdaten. (…) – S. 360

Vor allem, da sie Peter bereits beim ersten Treffen verdächtig erscheint.
„Wenn du sie verdächtig findest, sollten wir sie besser jetzt aufhalten“, sagte Lesley.
Mit ihren Arbeitsgeräten ging die Frau professionell um aber ich kannte keine Putzfrau, die zur Arbeiten einen so teuren Hijab anziehen würde.“ – S.361

Zum Thema: Linden-Limmer ist ein Stadtbezirk von Hannover. 🙂


Nach dem Ende: Hintergründe zum Titel

Marble Arch & Der Galgen von Tyburn

© Stephen McKay
© Stephen McKay

Der Marble Arch [Wiki] steht heute in etwa dort, wo sich einst der Galgen von Tyburn befand. Ursprünglich stand der Bogen vor dem Buckingham Palace, musste aber Umbaumaßnahmen weichen. Im Inneren des Bogens befinden sich drei Räume, welche einst von der Polizei zur Unterbringung zusätzlicher Einheiten nahe Hyde Park genutzt wurden.

Dort, wo heute Marble Arch steht, befand sich vom 10. bis ins 18. Jahrhundert das Dorf Tyburn [Wiki], welches hauptsächlich als Hinrichtungsstätte für die damals expandierende City of London bekannt war. Neben dem dreibeinigen Galgenaufbau befanden sich dort Tribünen, welche die Dorfbewohner zu den öffentlichen Hinrichtungen vermieteten. Death sells…

Wieso Der Galgen von Tyburn?

Der Bezug dieses Ortes zum Roman scheint mir zzt. noch nicht ganz klar. Mit Sicherheit spielt es eine Rolle, dass Jonathan Wild dort starb. Seine Hinrichtung war zugleich ein Zeichen gegen Korruption in der damaligen Zeit. Ob Tyburns Sitz im Aufsichtsrat von gleich fünf Unternehmen damit zu tun hat? Zumindest geht es ihr und ihrer Familie ziemlich „an den Kragen“.

Mein Gefühl ist, dass die Story sich sehr scharf in Richtung Finale entwickelt. Von göttlichen Flüssen über jazzige Melodien trug uns die Serie in die mysteriösen U-Bahn-Tunnel und hinein in die Abgründe eines Hochhauses in „Elephant & Castle“. Der Urlaub im Fingerhut-Sommer war ein spannendes Abenteuer. Kaum zurück in der Stadt wird „Lady Unnahbar“ Tyburn mitten ins Herz getroffen und auch der Gesichtslose ist verwundet. Das alles unter dem Motto des „Galgenspektakels“ in Tyburn. Zudem treffen immer mehr Parteien in London ein, die ihren Platz in der magischen Welt Londons beanspruchen und so ihre Macht ausbauen. Alles wappnet sich zum letzten Kampf. Es wird düster um die Flüsse.

Besonders interessant finde ich die Rolle der verschiedenen Parteien, die sich allesamt in Grauzonen zwischen „Gut & Böse“ aufhalten. Die Ladies Linden-Limmer wollen ebenso einen Teil vom Kuchen abhaben wie die Demi-monde, der Fuchs Reynard und die Amis. Welches Recht hat das Folly, die Nutzung von Magie in London überwachen zu wollen – oder gar zu verbieten? Jede Bewegung innerhalb der Stadt blickt auf eine jahrhundertelange Tradition zurück, welche – allen Widrigkeiten zum Trotz – aufrecht erhalten und vererbt wurde. Es riecht nach Magie, Verbündete, Intrige und Verrat. Ein Umfeld, in dem KEIN Tod mehr Zufall sein kann. Sorry!

Wenn alles gut geht, erfahren wir in zwei Jahren wie es weiter geht…


Literatur in Literatur

Früher habe ich häufig die Bücher gelesen, die Autoren in ihre Bücher einbauten. Vielleicht, so dachte ich, entdecke ich durch diese Bücher eine neue Seite meines Lieblingsautoren. Heute ist das wahrscheinlich alles eher Schleichwerbung unter Freunden. Dennoch habe ich hier mal die Links zu den im Buch erwähnten Büchern aufgelistet:

Die Bücher (nur Belletristik) werden auf den Seiten 40, 303 und 324 erwähnt. Von Reihen (wie „Harry Potter“) oder Autoren (wie „Malorie Blackman“) habe ich nur jeweils einen/den bekanntesten Band aufgeführt.

Apropos Malorie Blackman: Sie wird im Roman gleich 2x erwähnt. Ihren Namen kannte ich bisher nur aus den Doctor-Who-KG; da Ben Aaronovitch ebenfalls als Doctor-Who-Autor angefangen hat, denke ich, man kennt sich?


„Magic is not about paasion or anger or the power of friendship. Magic is about control, focus, and being able to concentrate when you´re drowning to death.“ – S. 186 EN, S. 205 DE


Das Drama ums Erscheinungsdatum

Für mich war Der Galgen von Tyburn der meist erwartete Roman seit Jahren! (Neben Thursday Next 8.) Meine erste News zum Release von „The Hanging Tree“ erschien bereits am 16. September 2015. Zu diesem Zeitpunkt war die Originalversion für November 2015 angekündigt. Bereits kurz nach meinem Beitrag verschob sich der Release von Monat zu Monat bis schließlich auf November 2016. Zu diesem Zeitpunkt war der Roman bereits seit 18 Monaten vorbestellbar.

Natürlich gab es zum Release im November 2016 dann Lieferschwierigkeiten bei dem von mir bestellten Hardcover aus England. Unterm Strich musste ich noch einige Tage zusätzlich warten, bis ich den Roman lesen konnte; und die Wartezeit war noch schlimmer als die 18 Monate zuvor. Lustigerweise geschieht das gleiche gerade auch bei meiner deutschen Version des Romans: Mein lokaler Thalia hat das Buch heute (am Erscheinungstag) nicht geliefert bekommen. Es scheint, ich habe mit dem Galgen von Tyburn einfach kein Glück.


Twitter: Das hat mir ein Vöglein gezwitschert…

Ben Aaronovitch ist auf Twitter sehr aktiv. Unter @Ben_Aaronovitch hält er seine Twittergemeinde fast täglich über Fortschritte in aktuellen Projekten und Veranstaltungen auf dem Laufenden.

Seinen Schreibprozess zum Hanging Tree konnte man recht gut bei Twitter verfolgen.

Am 05. August 2014 löschte er die Notizen des Fingerhut Sommers vom Whiteboard.

Am 14.08.14 begann er mit dem neuen Projekt: The Hanging Tree.

Bald nahm das Projekt formen an:

©Ben Aaronovitch via Twitter

It’s always a good sign when the white board starts to get complicated. pic.twitter.com/8jZRLVYoCS— Ben Aaronovitch (@Ben_Aaronovitch) 20. Juni 2015

[Operation Marigold wurde mit „Operation Ringelblume“ übersetzt; die einzige Übersetzung, die ich wirklich nicht mag.]

Ab dort dauerte es noch 14 weitere Monate, bis das vollendete Manuskript am 08.08.2016 bei der Zeno Literary Agency einging.

Look what just landed via email!!! #perksofthejob @Gollancz @Ben_Aaronovitch pic.twitter.com/RN215ISMvy— Zeno Literary Agency (@zenoagency) 8. August 2016


Neue Reihenübersicht: Die Flüsse von London

1. Die Flüsse von London [Rezi zum Roman]
Kurzgeschichte: Home Crowd Advantage (kostenfrei lesen)
2. Schwarzer Mond über Soho [Buchreise zu den Spielorten]
3. Ein Wispern unter Baker Street (Roman)
4. Der böse Ort (Roman)
Comic: Body Work [Rezi zum Comic]
5. Fingerhut-Sommer [Rezi zum Roman]
Comic: Night Witch [Rezi zum Comic]
Comic: Black Mould [Rezi zum Comic – Der Anfang]
Novelle: The Furthest Station News s.o.
6. Der Galgen von Tyburn [spoilerfreie Rezi zum Roman]
Hörbuch-Episode: A rare book of cunning device [Rezi zum Hörbuch]
Comic: Detective Stories [ab 06/17 als eBook; TB 19.12.17]
[Romane weiß; Comics rosa; „Short Stories“ gold; alle Links sind blau]

Infos zu allen „Flüsse von London“-Parts bei Amazon:

Der Galgen von Tyburn Book Cover Der Galgen von Tyburn
Die Flüsse von London 6
Ben Aaronovitch
Urban Fantasy Krimi
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05.05.2017
Taschenbuch
413

In seinem sechsten Fall muss der fabelhafte Peter Grant

- ein verschollenes altes Buch wiederfinden
- einen verdächtigen Todesfall auf einer Party der Reichen und Schönen Londons aufklären
- versuchen, es sich dabei nicht völlig mit Lady Ty zu verderben
- vermeiden, vom Gesichtslosen ins Jenseits befördert zu werden
- sich mit einem ganzen Haufen rauflustiger Amerikaner herumschlagen, die definitiv zu viel ›24‹ gesehen haben.

Kurz: Peter bekommt die einzigartige Gelegenheit, es sich mit alten Freunden zu verderben und sich dabei jede Menge neue Feinde zu machen. Mal vorausgesetzt, er überlebt die kommende Woche.

2 Gedanken zu “Buchreise Der Galgen von Tyburn – Ben Aaronovitch

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