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Io von Brandon Q. Morris (Eismond 3)

io brandon q. morris eismond[Rezension] Brandon Q. Morris: Io (Eismond 3)

Io heißt der neuste Band der Eismond-Reihe des Science-Bloggers und Physikers Brandon Q. Morris. Die Hard-SF-Bände begleiten die Crew der ILSE an Board bei ihrer Suche nach Leben auf den Eismonden unserer Galaxie. Wie der Titel bereits erwähnt, steuert die Crew im neuen Roman den Jupiter-Mond Io an, der aufgrund seines extremen Vulkanmus nicht so recht in die Eismond-Reihe zu passen scheint.

Die Trilogie war bisher mein Highlight 2017, ein heiß geliebtes eiskaltes Vergnügen, eine Expedition ins Ungewisse. Es ist viel passiert und meine Rezi wird Geschehnisse der vorherigen Bände spoilern. Bitte lest Enceladus und Titan zuerst! Ehrlich: Wenn euer Herz für Hard-SciFi schlägt, ran an die Wälzer!

[Zur Rezi: Enceladus – Eismond 1]

Der Rückweg über Jupiters Vulkan-Mond Io

Die Crew der ILSE befindet sich auf dem Rückweg zur Erde. Seit über einem Jahr leben sie auf engstem Raum zusammen, verloren einen geliebten Menschen. Nun spaltet sich die Gruppe erstmals: Chinesin Jiaying wirkt unnahbar, seit sie ihre Beziehung zu Martin beendete. Dieser stürzt sich in Arbeit: Aus dem All empfängt die ILSE seltsame Signale, wahrscheinlich aus der Gegend des Enceladus. Könnte es sein, dass eine unbekannte Lebensform versucht, mit ihnen zu kommunizieren? Die Nachricht enthält viel Rätselhaftes und ein eindeutiges Ziel: Jupiters Vulkanmond Io birgt eine unberechenbare Gefahr für die Menschheit…

Derweil ist man auf der Erde wenig euphorisch: Seit der Entdeckung fremden Lebens im Meer unter Enceladus´ Eisschicht, treibt die Menschen die Angst vor dem Unbekannten zu Präventivmaßnahmen höchster Stufe. Ein Virus soll die Zellen des Wesens Hydra (wie man es dort nennt) befallen und unschädlich machen. Ihn ins Netz zu speisen, bedarf nur eines Spitzels an Board der ILSE. Doch auch dafür haben die internationalen Experten bereits vorgesorgt.

Probleme auf höherer Ebene

Brandon Q. Morris behandelt in seiner Eismond-Reihe ein immerwährendes und stets aktuelles Thema: Welche Konsequenzen würde die Menschheit aus dem Fund intelligenten außerirdischen Lebens ziehen? Die Angst vor dem Unbekannten lässt uns oft kopflos handeln. Welche Institutionen wären zuständig, sollte es zu einer möglichen Gefahr für die Erde kommen? Und würde ein Präventivschlag ausgeschlossen werden können? Io treibt diesen Konflikt als „kleines Finale“ der Reihe (mehr dazu unten) geschickt auf die Spitze.

Und noch mehr: Erstmals kracht es im Team. Geheimnisse scheinen zwischen den Crewmitgliedern zu sehen und die im letzten Part fast greifbare Harmonie zersplittert in viele rätselhafte Konflikte, die im Team nicht offen geklärt werden können. Die Gruppendynamik im All kippt, doch auf engstem Raum gibt es keine Möglichkeit, sich zu meiden. Es geht um Verrat, Vertauen und Mut, eingebettet in ein faszinierendes Weltraumabenteuer und allerhand wissenswertem Content, der wie immer in wundervolle Bilder eingebettet wird. Im Anhang gibt es wie auch in den vorherigen Bänden einen wissenschaftlichen Teil, in dem der Autor über die Eigenschaften des Planeten aufklärt, stets nah am Plot und mit Eingeständnis kleiner kreativer Freiheiten.

Fazit: Vielschichtigkeit als Gefahr und Chance!

In Io verschiebt sich die Perspektive auf die Mission durch Einführung eines zweiten Handlungsstrangs auf der Erde. Wie in den meisten Erstkontakt-Romanen (oder Reihen) schaltet sich bald die Politik ein: Die Angelegenheit wird zur Chefsache erklärt; Militär und Presse sind nicht weit. Storys laufen ab hier Gefahr in ein anderes Genre zu rutschen. Doch Brandon Q. Morris löst das Problem gut, indem er der Weltraum-Mission an Board doppelte Brisanz verleiht: Gleich zwei Spitzel befinden sich an Bord der ILSE, und keiner davon bösartig. Die Mission zu manipulieren stürzt beide in tiefe Existenzkrisen. Eine spannende Wendung! Und so strickt sich der dritte Band der Eismond-Reihe aus dem gleichen Stoff wie die Vorgänger: Spannung, Neugier und Menschlichkeit in einer von Technik beherrschten Umwelt. Nur beim „Happy End“ hätt´ ich dann vor Glück fast ein wenig brechen können.


Ein spezieller Tipp: Anybody Out There?

Anybody out there Ben Miller penguin
Cover führt zu Amazon

Vor Kurzem las ich das Sachbuch „Anybody out there?“ von Ben Miller, welches sich perfekt als Ergänzung zur Eismond-Reihe eignet. (Zumindest musste ich in jedem Kapitel an Enceladus denken.) Miller, selbst britischer Physiker, befasst sich in seinem Buch mit der Frage, wie Leben auf der Erde entstanden ist und im Weltall entstehen könnte, außerdem stellt er Fragen wie: Hat die Erde einen Notfallplan, sollte morgen ein Ufo landen? Wer wäre für den Erstkontakt zuständig? – Diese Fragen stellt er nicht nur sich selbst, sondern auch Dr. Mazlan Othman, der Leiterin des „Büros für Weltraumfragen“ der UNO in Wien. Ein tolles, wenn auch anspruchsvolles Büchlein – perfekt für den geübten SciFi-Leser. Mehr Infos bekommt ihr in meiner Rezi:

[Zur Rezi: Anybody out there? (Sachbuch) von Ben Miller]

Wie geht´s weiter?

Eigentlich dachte ich, die Eismond-Reihe sei mit Io beendet. Im Nachwort allerdings wird ein vierter Band für Herbst 2017 in Aussicht gestellt.

[Anm.: Die richtige Reihenfolge zum Lesen ist: Erst Enceladus Die Rückkehr, dann Proxima Rising.]

Proxima Rising, die neuste Veröffentlichung von Brandon Q. Morris, ist quasi ein Spin-Off, und handelt von einer privaten Weltraummission eines gegen Ende von Io in die Story eingeführten Charakters.

Proxima Rising ist bereits erschienen.
Enceladus – Die Rückkehr (Eismond 4) erscheint am 15.10.2017.

Aktuelle Infos auf Brandon Q. Morris´ HardSF-Blog.


[Übersicht] Brandon Q. Morris – Eismond-Serie

1. Enceladus (20.01.2017) [Zur Rezi Enceladus]
2. Titan (28.03.2017) [Zur Rezi Titan]
3. Io (02.06.2017) [s. oben]
4. Enceladus – Die Rückkehr (erscheint am 15. Oktober 2017) [Zu Amazon]

Kurzgeschichte: Enceladus 0 (15.02.2017) [Zur Enceladus-0-Rezi]

Io Book Cover Io
Eismond Reihe 3
Brandon Q. Morris
Hard Science Fiction
Indie
02.06.2017
kindle ebook
388

Der Jupitermond Io gilt mit seinen Lavaströmen, Schwefelseen, Strahlungsfeldern und ständigen Vulkanausbrüchen als extrem lebensfeindlich. Doch existiert dort wirklich eine Gefahr, die die gesamte Menschheit bedroht? Davor warnt das auf Enceladus entdeckte geheimnisvolle Wesen eindringlich. Die Crew der Internationalen Expedition, eigentlich auf der ersehnten Heimreise, begibt sich widerwillig auf die riskante Mission nach Io. Doch plötzlich droht ein Feind im Inneren, all ihre Hoffnungen zu zerstören, dass sie den Höllenmond lebend verlassen werden. Hard Science Fiction. Brandon Q. Morris, Physiker und Weltraum-Spezialist, beschreibt die Reise der Internationalen Expedition basierend auf neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft und realen Technik-Trends. Nach den Hard-SF-Bestsellern "Enceladus" und "Titan" der dritte Teil der Eismond-Trilogie. Auch eigenständig lesbar.

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