Keine Zeit für Arschlöcher von Horst Lichter

img_2751[Rezension] Horst Lichter – Keine Zeit für Arschlöcher !… hör auf dein Herz

Keine Zeit für Arschlöcher ist ein Sachbuch von Horst Lichter, in dem er den Tod seiner Mutter 2014 verarbeitet.

Horst Lichter, einer, der es geschafft hat. Seit Jahren nimmt er nur noch die Aufträge an, die er wirklich mag. In Lichters Schnitzeljagd fährt er quer durch NRW, kocht mit vielen verschiedenen Menschen, erzählt Storys. In Bares für Rares frönt er seiner Sammelleidenschaft: So war auch sein Restaurant, die Oldiethek, bekannt durch sein extravagantes Interieur voller antiker Möbel und Tinnef. Doch der stets gut gelaunte TV-Koch Horst Lichter hat auch eine andere Seite. Nach dem Tod seiner Mutter reflektierte er sein Leben und beschloss: Keine Zeit (mehr) für Arschlöcher.

„Arschlöcher braucht kein Mensch, schon gar nicht, wenn uns die Lebenszeit wie Sand zwischen den Fingern zerrinnt. Nein, das Maß ist voll.“ S.7

Horst Lichters Weg zu mehr Gelassenheit

Im Folgenden schildert Optimist Horst Lichter, welche Konsequenzen er aus der Krebserkrankung seiner Mutter, den dadurch ausgelösten Schock und die plötzliche Wahrnehmung der eigenen Sterblichkeit für sein Leben gezogen hat. Ihm wurde klar, dass selbstauferlegte Tugenden, falsche Freunde und Besitz, auch seine Selbständigkeit, sein Leben stark belasteten. Und so beschloss er auszumisten. Sein Weg zur Gelassenheit begann mit dem Verkauf seines geliebten Restaurants und dem Abbruch aller Zelte in seiner alten Heimat Rommerskirchen, einem 13.000-Einwohner-Dorf zwischen Düsseldorf und Köln.

Keine Zeit für Arschlöcher. Nie mehr.

Dabei schildert Horst Lichter viele Ereignisse aus seinem Leben, in denen er sich nicht fair behandelt fühlte. Zunächst fängt er aber bei sich selbst an. So erzählt er beispielsweise, wie er im Krankenhaus eine überabeitete Krankenschwester anging, weil diese seine Mutter augenscheinlich nicht ordentlich versorgte. Dass diese Krankenschwester völlig überarbeitet und auf der Station allein für etliche Patienten zuständig war, realisierte er zu spät. Unfeine Situationen wie diese, zu denen er sich hinreißen ließ, will er in Zukunft vermeiden. Denn dieses Verhalten braucht niemand! – Hut ab für diese Ehrlichkeit.

Zum anderen beschreibt Horst Lichter seine Anfänge als ZDF-Fernsehkoch in der Sendung von Johannes B. Kerner. Und ab da ging es mit dem Buch für mich steil bergab. Ich frage mich, welchen Sinn die plötzliche Beichte hat, dass das von TV-Starkoch Jamie Oliver in Kerners Sendung 2007 gar nicht geschmeckt habe, obwohl alle anwesenden Köche das behaupteten. Das ist neun Jahre her!

Auch den Vorwurf der Freundschaft zu Johann Lafer bestreitet er vehement. Arbeitskollegen seien sie gewesen, und überhaupt haben sie „über die Jahre (…) unsere Witze gemacht, gefrotzelt, aber auch ein paar Geschichten miteinander erlebt, die wir lustig rübergebracht haben, die ich aber gar nicht als so witzig empfunden habe. Und er vermutlich auch nicht.“ S.100

Während viele TV-Köche als Kochidol aufgebaut wurden, fühlte sich Lichter zu weiten Teilen unterschätzt. Frei nach Aschenputtels „Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen“ senst er durch sein Leben, und läßt niemanden außer seiner Frau wirklich gut dastehen. So macht er dem angestauten Frust der letzten Jahre Luft, was meiner Meinung nach viel mehr über ihn aussagt, als er vielleicht aussagen wollte.

Sahnebaiser mit Klischeefüllung

Während Horst Lichter sich gleichzeitig in Rage beichtet und lobt, verliert der Inhalt zunehmend an Fahrt. Obwohl es darum geht, wie er sein Leben seit 2010 für die Zukunft grundlegend änderte, schwelgt er häufig in Erinnerungen, die weit zurückreichen. Dazu kommen klischeebehaftete Lebensweisheiten in bester Glückskeksmanier. Ein Best-of hänge ich unten an.

„Der Clown darf traurig sein und der Spaßmacher kann ernsthaft sein. Licht und Schatten, es gibt das eine nicht ohne das andere.“ S. 32

Ob uns diese Weisheiten nun auf den Weg zu mehr Gelassenheit im Alltag führen, ist fraglich. Auch wenn ich am TV-Menschen Horst Lichter sehr schätze, dass er oft „das Herz auf der Zunge trägt“, bekam ich hier auf jeden Fall eine Überdosis Gefühlsdusselei. Mensch, Hotte!


„Ich habe ein Hochhaus im Herzen und da gibt es Tageszimmer, Mietwohnungen und da gibt es Eigentumswohnungen. Ein paar Menschen wohnen in diesen Eigentumswohnungen, das heißt, sie sind unkündbar.“ S.84

Wirklich?!

Fazit: Rundumtritt mit Glückskeksweisheiten

Horst Lichters Buch Keine Zeit für Arschlöcher ist eine Ode an die Dünnhäutigkeit, die in keinem Business schädlicher ist als in der TV-Welt. So mutiert das Sachbuch schnell zum unfeinen Rundumtritt gegen seine Mitmenschen auf BILD-Zeitungsniveau. Natürlich wird das keinen davon abhalten, es zu lesen, eher im Gegenteil. Aber vielleicht war auch das die Absicht dahinter. Als Fazit aus der Lektüre kann ich nun sagen, dass mir der Fernsehkoch Horst Lichter weit lieber ist als der Privatmensch, oder das, was er als ebendiesen im Buch darstellt. Ich werde auch weiterhin verfolgen, wie er sich auf zwei Rädern auf Schnitzeljagd begibt. Aber mehr dann auch bitte nicht.

Stern2-1


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Best-of: Glückskeksweisheiten 

„Wer sich nicht verändert, bleibt stehen. Stillstand ist Rückschritt.“ S.95
„Et kütt, wie es kütt. Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.“ S.96
„Das Leben ist zu kurz für ein langes Gesicht, für Verbissenheit, Neid und Missgunst. Jeder Tag ohne Lachen ist einvergebener Tag.“ S.116
„Was du nicht willst, das man dir tu´, dass füg´ auch keinem anderen zu. Ist doch ganz einfach.“ S.139 *Rechtschreibfehler übernommen*
„Ich sehe endlich Licht am Ende des Tunnels – und es sind nicht die Lichter eines Zuges, der mir entgegenkommt.“ S.143
#Bullshit-Bingo

Keine Zeit für Arschlöcher ! hör auf dein Herz Book Cover Keine Zeit für Arschlöcher ! hör auf dein Herz
Horst Lichter
Sachbuch
Gräfe und Unzer
08.10.2016
eBook
176

Aus dem Leben fürs Leben: Ein Buch zum Lachen und zum Weinen. Rund zehn Jahre nach seinem Bestseller "Und plötzlich guckst du bis zum lieben Gott. Die zwei Leben des Horst Lichter" legt TV-Koch und Publikumsliebling Lichter seine neue Biografie vor. Da fragt man sich als Leser natürlich schon: Was soll denn jetzt noch kommen? Hat Hotte uns etwa nicht alles erzählt? Gibt es tatsächlich noch ein drittes Le-ben in diesem einen? Ja, das gibt es wirklich! Mit dem Tod seiner Mutter 2014 hat Horst Lichter angefangen, seine Geschichte neu zu schreiben. Denn ihm ist wieder einmal klar geworden: Das Leben ist kein Ponyhof - und endlich! In diesem aufrüttelnden Buch erzählt Horst Lichter von seiner bewegten Lebensgeschichte und was ihn zum Umdenken gebracht hat. Warum es so wichtig ist, sein Leben neu in die Hand zu nehmen, es bewusst zu leben und seinen Humor nie zu verlieren.

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