[Rezension] John Stephens Onyx ist das epische Finale einer Trilogie mit Zielgruppenproblem

IMG_2076[Rezension] John Stephens „Onyx“ ist das epische Finale einer Trilogie mit Zielgruppenproblem

Emerald, Rubyn, Onyx: Die Trilogie umfasst 1456 Seiten, und ich wurde bis zuletzt nicht mit ihr warm. Als erfahrener Fantasy-Leser habe ich alles irgendwo schon einmal gehört, und die vielen Bauchentscheidungen an Schlüsselstellen sind für Erwachsene nicht nachzuvollziehen und verdarben mir jeden Lesespaß. Die Brutalität wird für Kinder schwer zu ertragen. Eine Trilogie mit Zielgruppenproblem.

Das epische Finale der Trilogie

Onyx startet, wo Rubyn endet. Zwei Bücher haben die Kinder bereits gefunden, doch das Buch Reckoning liegt nach wie vor verborgen. Emma ist in Gefahr, und nach den Ereignissen der letzten Wochen kann Michael niemandem mehr trauen.
Längst schart der grausame Magnus eine ganze Armee an Kobolden und Kreischern um seine dunkle Festung im Osten. Seine Armeen schleust der dunkle Magier durch Portale: Sie metzeln sie alles nieder. Die große Schlacht hat begonnen.
Kate und Michael begleiten Dr. Pym in die Zitadelle nahe Loris, im unsichtbaren Archipel, wo sich der Kriegsrat trifft. Dort versammeln sie ihre Verbündeten: Die Zwerge, Elfen und Menschen, alte Bekannte und neue Gesichter. Dort sind sie in Sicherheit – voerst. Denn ihre Truppen sind denen des Gegners weit unterlegen.
Nun liegt es an den Kindern, die Schlacht zu beenden. Sie benötigen Emerald, Rubyn und Onyx, um den grausamen Magnus zu besiegen. Doch vereint man die Bücher, sterben die Kinder, sagt eine alte Prophezeihung. Dr. Pym meint, es verhindern zu können.

Eine Aneinanderreihung flacher Action

Jedes Kapitel löst ein Problem und lässt die Kinder in ein Weiteres stolpern. Ruhephasen gibt es keine. Auf der Suche nach den Büchern müssen die Kinder viele kleine Abenteuer bestehen, doch mir war es einfach zuviel. Spätestens als sie zum xten Mal plötzlich in Zeit und Raum verschwanden, am falschen Ort auskamen und diesmal Riesen gegenüberstanden, war es für mich gelaufen. Wieso Riesen? Muss das auch noch sein?
Vermisst habe ich die Tiefe, die z.B. der Urban-Fantasy-Strang rund um Rafe und Kate im 19. Jahrhundert in Rubyn innehatte. Vom Kennenlernen, Hintergründen, Gesprächen, bis übers Verlieben – ganz zauberhaft. Diese Geschichte hätte ich auf eine Zielgruppe von ca. 12-16 Jahren geschätzt. Plötzlich befinden wir uns auf der Schulter eines dummen Riesen und lauschen lauter flachen Phrasen für eine Zielgruppe ab 6 Jahren. Die Lovestory übernimmt jetzt Michael und seine witzige Elfe, die sich nichtmal trauen Händchen zu halten (ab 8 J.)? Märchenstunde ist bald vorbei: Der düstere Krieg beginnt und es wird munter geschlachtet. Unnu?

Das Problem: Zielgruppe

Im zweiten Teil „Rubyn“ hatte ich mich bereits gewundert, dass Michael Rafe seine Verliebtheit ansah, aber ich dachte, das könne so sein. Doch dass die kleine Emma jetzt via „Und sie spürte, dass er die Wahrheit sagte“ sogar den Oberschurken Rourke mit nur einem Blick durchschaut, halte ich für abenteuerlich. Wenige Seiten darauf erneut: In einer Schlüsselstelle sieht Kate Dr. Pym an: „Und Kate wusste, dass der Zauberer sie liebte.“ Ihre folgenschwere Entscheidung trifft die sonst so erwachsen dargestellte Kate dann aufgrund ihrer Erleuchtung, obwohl die letzten zweihundert Seiten nur Zweifel an dem alten Mann sähten. Diese Bauchgefühlentscheidungen machen mich rasend, und sie ziehen sich durchs ganze Buch. Sie sind inkonsequent und verwirrend.
Als Jugendbuch-Trilogie für Jung und Alt wurde es in vielen Rezensionen beschrieben, aber dem kann ich nicht zustimmen. Erwachsenen werden diese Bauchgefühlentscheidungen kaum hinnehmen können: Ich riskiere das Leben meiner Familie, weil ich trotz starker Zweifel über Wochen in diesem Moment plötzlich weiß, dass er uns wohlgesonnen ist. Für Kinder finde ich das allgegenwärtige Blutvergießen nicht förderlich. Zwar geht Herr Stephens nicht ins Detail, aber es ist durchweg düster und blutrünstig… Naja. Dieses Buch ist weder für Erwachsene, noch für Kinder geeignet. Mir hat es leider keinen Spaß gemacht.

Und sonst so?
Der Streit zwischen Elfen und Zwergen eskaliert. Wie die Anführer beider Rassen aufeinander losgehen ist der reinste High-Fantasy-Kindergarten.
Zweimal auf 1500 Seiten wird aus Kate plötzlich Kathy. Und wollte man ein Trinkspiel aus den fehlenden „Zeichen“ machen, man würde das Ende des Buches nicht mehr erleben. Leider wurde das mit jedem Teil der Trilogie schlimmer. Für einen Vollpreis-Titel (15,99€ fürs ebook!) fühlt es sich sehr unprofessionell an.
Überflüssig zu sagen, dass ich den Handlungsstrang mit Rafe dann ab Seite 310 wieder klasse fand, denn das ist völlig irrelevant. Bis dahin habe ich mich gequält, das Buch zog sich ewig. Und selbst das Ende war seltsam. Nach allen Opfern und Leichen zu sagen: „Hauptsache man hat geliebt“, ist schon wieder so grausam. Für mich ein Flop.

 

[Übersicht] John Stephens: Die Chroniken vom Anbeginn

1. Emerald ***
2. Rubyn ****
3. Onyx *

amazon icon 2

Onyx Book Cover Onyx
Die Chroniken vom Anbeginn
John Stephens
High Fantasy
cbj
24.11.2014
ebook
480

Kate, Michael und Emma haben es geschafft, zwei der drei Bücher vom Anbeginn zu retten: Kate gehört das Buch Emerald, Michael ist der Wächter des Buches Rubyn. Kein noch so atemberaubendes Abenteuer und nicht die hinterlistigsten Gegner haben die drei gescheut, um dem finsteren Magier Magnus die Bücher zu entreißen – und ihre Eltern endlich zu befreien. Doch der Preis dafür ist hoch: Denn Magnus ist es gelungen, die kleine Emma zu entführen. Werden Kate und Michael ihre Schwester finden? Werden sie das Buch Onyx in ihren Besitz bringen? Und werden sie endlich ihre Eltern wiedersehen, die sie so lange vermisst haben? Nur eines ist sicher: Es wird ein Kampf auf Leben und Tod.

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