[Rezension] Andrew Lane: Young Sherlock Holmes 1 – Der Tod liegt in der Luft – mehr nicht, weil die Überschrift so schon zu lang ist

IMG_2129[Rezension] Andrew Lane: Young Sherlock Holmes 1 – Der Tod liegt in der Luft – mehr nicht, weil die Überschrift so schon zu lang ist

Viele Brit-Krimis, viele Sherlock-Bücher habe ich bisher gelesen. Ganz klar, dass Young Sherlock Holmes von Andrew Lane auf meiner Liste stand! Zumal Andy Lane, wie er sich oft nennt, auch den dritten Teil der Torchwood-Romane schrieb (sowie weitere Doctor Who-Bücher).
Zurück zu Sherlock: Wie stelle ich mir Sherlock als Teen vor? Weniger klug und wissend, aber gewitzt und neugierig. Aber scheinbar war er das nicht einmal ansatzweise.

Sherlocks Abenteuer auf dem Land

Alle Schüler des Deepdene Jungeninternats verbringen die Sommerferien bei ihren Eltern – alle außer Sherlock Holmes. Sein Vater ist auf Reisen, seine Mutter labil, und so schickt sein Bruder Mycroft ihn auf Land seinem religiösen und weltfremden Onkel Sherrinford und Tante Anna, die geistesabwesend Monologe führt. Und die vorlaute Hausangestellte Mrs. Eglantine, vor der Mycroft ihn warnte, macht ihm schnell klar: Hier ist er definitiv NICHT willkommen.
Farnham lebt vom Handel. Außer dem großen Markt gibt es dort nichts zu erleben. Gelangweilt erkundet Sherlock die Gegend – und findet einen Freund in Matthew Arnatt, einem Straßenjungen der Gegend. Zudem bekommt er Privatunterricht bei dem sonderbar-faszinierenden Amyus Crowe, einem amerikanischen Lehrer.
Dann kommt es zu rätselhaften Todesfällen, deren Opfer wie Gefallene der Pest wirken. Ist die Pest nach England zurückgekehrt? Und wer ist der mysteriöse Reiter, der ihn beobachtet?

Farbloser Pechvogel statt strahlender Held : Young Sherlock

Am wenigsten gefiel mir Sherlock selbst. Unser Protagonist ist passiv, oft bewusstlos und verfolgt keinen eigenen Plan – vielmehr reagiert er nur auf Situationen, in die er stolpert. Zum Glück ist er ein echter Pechvogel, stolpert von einem Schlamassel ins Nächste, lässt man ihn wenige Sekunden allein. So taumelt er durch ein ganzes Abenteuer. Er akzeptiert, was andere mit ihm anstellen und gibt kaum Widerworte. Er ist demotiviert: Dass Sherlock für etwas brennt oder etwas unbedingt will, das kommt nicht vor. Einen Bezug habe ich zu ihm leider nicht gefunden.
Sherlock lernt logisch zu kombinieren, das ist seine Stärke. Doch er ist nicht so clever, wie man es von Sherlock Holmes, egal ob groß oder klein, erwartet.

Wer sucht, findet den wahren Sherlock Holmes

Alle Eigenschaften, die ich Sherlock zugesprochen hätte, repräsentieren die Nebencharaktere.
Sherlocks Mentor, Amyus Crowe, entspricht vom Charakter am ehesten dem typischen Sherlock. Er verfügt über ein breites Wissen, ist klug und besonnen. Seine Tochter erzieht er zu einem modernen Mädel. Beide sind sehr weltoffen und haben mir gut gefallen.
Matthew Arnatt hat immer einen Plan. Meist ergreift er die Initiative. Er ist immer am Geschehen, beobachtet und greift ein. So gibt auch er den Hinweis auf den mysteriösen Rauch, der vom ersten Opfer aufstieg. Wieso nicht Sherlock? Matthew ist mutig und frei.

Der Grund, Sherlock Holmes zu lesen…

ist die Erwartung, einen cleveren britischen Krimi zu erleben, aus dem man lernen kann.
Andrew Lane tischt interessante Fakten auf, und man kann aus dem Buch lernen, was mir sehr gefiel. Statt durch Sherlock Holmes, lernen wir MIT ihm. Während die erste Hälfte des Buches belehrend wirkte (Latein), war die zweite Hälfte (mit Logik-Lehrer) lehrreich und las sich rund. British-kühl geschrieben, fehlte mir das typische Augenzwinkern. Für einen Sherlock-Holmes-Roman fehlte mir Tiefe und britische Atmosphäre.

Young Sherlock Holmes ist kein Sherlock Holmes

Young Sherlock ist ein Jungen-Abenteuerbuch. Ein Buch für Jugendliche, die kein Fantasy mögen. Wer die alten Enid-Blyton-Bücher mag, kann Freude daran finden. Es ist ein Abenteuerbuch, weniger ein Krimi. Es ist ein Jugendbuch, kein All Age Roman. Sherlock ist ein durchs Abenteuer stolpernder Junge, kein strategischer Detektiv.
Mir hat Young Sherlock leider nicht gefallen.

Stern2-1

 

[Übersicht] Andrew Lane: Young Sherlock Holmes

1. Der Tod liegt in der Luft [Bestellen?]
2. Das Leben ist tödlich
3. Eiskalter Tod
4. Nur der Tod ist umsonst
5. Der Tod kommt leise
6. Der Tod ruft seine Geister (erscheint am 22.10.2015 auf Deutsch)
7. Stone Cold (nur auf Englisch)
8. Night Break (nur Englisch seit 10.Sept.2015)


Bücher zum Thema British Krimi:

Wer ein kluges Nerd-Kind sehen möchte, muss Flavia de Luce lesen. Die allerdings plappert euch kaputt. Die Flavia de Luce ist eine All-Age-Brit-Krimi-Reihe von Alan Bradley.

Wer „Sherlock Holmes nur anders“ -und anders bedeutet hier übersinnlich- lesen möchte, der schnappt sich die Kurzgeschichtenbände von Raimon Weber. In zehn Geschichten veröffentlicht er „Die geheimen Akten des Sir Arthur Conan Doyle“, die schon einen Hauch Lovecraft beinhalten.

Wer Brit-Krimis mit Fantasyeinflüssen als All Age mag, wird mit Sicherheit auf meiner Seite fündig. Klickt einfach auf alles andere: Hier und dort und da. Und vllt. auch aufs Like?


Der Tod liegt in der Luft Book Cover Der Tod liegt in der Luft
Young Sherlock Holmes
Andrew Lane
Jugend Krimi
Fischer Taschenbuch
17.02.2012
Taschenbuch
416

Der junge Sherlock Holmes soll seine Sommerferien auf dem Land verbringen – bei Tante Anna in Farnham. Stundenlang dauert die Reise und nichts als Gerstenfelder weit und breit. Noch öder geht es ja wohl kaum, Sherlock ist stocksauer. Doch dann kommt alles ganz anders und plötzlich ist er mittendrin in seinem ersten Fall. Mysteriöse Todesfälle, prügelnde Muskelprotze und ein böser Baron – das erste Abenteuer des jungen Meisterdetektivs beginnt.

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