[Rezension] Andy Weir : Der Marsianer ist MacGyver auf dem Mars

IMG_2213[Rezension] Andy Weir : Der Marsianer ist MacGyver auf dem Mars

Letzte Woche erst hat die NASA Wasser auf dem Mars gefunden. Wenn das mal nicht gratis PR für den bald anlaufenden Kinofilm „Der Marsianer“ ist. Tatsächlich ist das Thema aktueller denn je: Immer höher, immer weiter will die Menschheit hinaus. Das kostet Menschenleben auf allen Ebenen – doch auch Mark Watneys?

Marsexpedition mit Fehlstart

Mark Watney ist einer der ersten Menschen auf dem Mars – und er wird der erste sein, der dort stirbt. Als ehemaliges Mitglied der Marsmission Ares 3 wurde er von seinem Team zurückgelassen, denn man glaubte er sei tot. Nun ist er allein – und schreibt Tagebuch.

„Ich bin sowas von im Arsch“, beginnt er. Nungut, das ist nicht die feine Art, aber er hat recht. Alle Vorräte und Materialien sind auf die nur wenige Wochen andauernde Mission ausgelegt: Nahrung, Wasser, Sauerstoff, Pumpen. Der Draht zur Außenwelt fiel dem Sandsturm zum Opfer – zwischen Watney und der nächsten Rückreiseoption mit Ares 4 liegen vier Jahre und 3200km sauerstofffreie Kraterlandschaft bei -70 Grad.

#RettetMarkWatney

Mark Watney ist Astronaut, Botaniker, Ersatz-Chemiker und jetzt Mädchen für alles. Für den Leser gilt es die ersten fünf Kapitel zu überleben: Viele Seiten, sehr viele Zahlen. Technische Erklärungen der Umstände, Risiken und seiner Pläne, die sich zwar durchs ganze Buch ziehen, zu Anfang aber extrem zäh und trocken sind.

„Man sagt, kein Plan überlebt den ersten Kontakt mit der Realität.“ Logbuch: Sol 40

Lesenswert macht die Story erst die Wendung, dass die Erde von ihm erfährt. Ab da wird es spannend! Mehr und mehr erfahren wir über das Team, das hinter den Missionen steht: Von Sternenguckern, Treibstoffrechnern und NASA-Bauern, die hinter den Kulissen ihren ganz normalen Büro-Wahnsinn durchleben. Einige von ihnen waren mir sympathischer als Watney himself.
[Die Idee mit dem „Watney-Report“ finde ich großartig!]

…aber lasst sein Ego dort, wo er ist.

Mark Watney ist der Beweis, dass auch mieser fremder Humor unterhält. Über Humor lässt sich streiten, ich weiß. Watneys Humor ist nicht meiner: Viel zu plump witzelt er vor sich hin, auf mich wirkte es aufgesetzt. Zeitweise nervte es mich, doch muss ich zugeben: Nach Gewöhnung an seinen Humors lasen sich sogar die technischen Passagen unterhaltsam.
Was mich wirklich störte, war Watneys Coolness. Auf 512 Seiten zeigte er nicht eine tiefgreifende Schwäche! Er ist der typische strahlende amerikanische Held, von dem ich dachte, dass er seit den 1990er Jahren in Actionfilmen nicht mehr stark gefragt sei.
Zum Thema Kinofilm komme ich später nochmal. (Ich war auf einer Mini-Mini-Ausstellung zum Film in Berlin.)

„Der Planet ist nicht bloß eine Wüste. Er ist eine uralte Wüste, die langsam verrostet.“

Der Marsianer – Eine dankbare Kinofilm Vorlage

Der Marsianer ist ein unterhaltsamer SciFi-Überlebenskampf in Tagebuchform. Watney (Vollzeitheld & TeilzeitMacGyver) muss eine gewisse Zeit überleben, ehe er den Heimweg antreten kann, den er dann wiederum überleben muss. Während auf der Erde das Chaos ausbricht und die Experten sich ihre Hirne zermartern, werden ihm ständig neue katastrophale Hindernisse in seinen ohnehin steinigen Weg gelegt, die er bewältigen muss. Eine dankbare Blockbuster-Vorlage für einen actiongeladenen 3D-Kinofilm.
Obwohl ich Mark Watney nicht eine Sekunde sympathisch fand, hat mir das Buch gefallen. (Und ich dachte nie, dass so etwas möglich sei.) Tatsächlich habe ich dem Ende sogar entgegengefiebert! Das lag vor allem an der Gesamtstimmung des Romans, den konfliktreichen Erdenparts und der Faszination DIY. Die größte Schwäche des Buches ist, dass Watney keine hat.
Am 08. Oktober 2015 läuft der Film in deutschen Kinos an.

Stern4

P.S.: Hieß Watney ursprünglich Watson? In meinem Ebook stands so an zwei Stellen, oder hab ich was verpasst? Clever genug scheint er.


 

DSC03473Zum Kinofilm: An der Humboldt-Box in Berlin steht zur Zeit ein Informationspavillion (in Wurfzeltoptik) zum Kinofilm.
Inhalt: 3D-Bilder vom Mars, div. Bilder aus dem Kinofilm, Videos über die Marskrater und die für den Roman relevanten Stellen, der offizielle Trailer, und ein Virtual-Reality-Flug über die Marsoberfläche via Brille. Außerdem eine Selfie-Station mit Raumanzug. Wie gesagt, die Ausstellung war sehr klein – tatsächlich viel kleiner als die Werbebande vorm Gebäude! Da ich ohnehin in Berlin war, MUSSTE ich da rein.

Im Trailer sah es so aus, als hätte man Watney im Film mehr Schwäche gegeben: Redet er dort mit seiner Familie (oder war das nur aus dem Kontext geschnitten)? Ich glaube, ein Sekündchen lang blitzte das auf. Für mich würds den Film aufwerten.

[Infos: Link zu Berlinmagazine.de]


Gaming – Empfehlung: LifeLine von 3 Minute Games – Ein Textadventure

IMG_2291Zur Zeit spiele ich „LifeLine“, ein Text-Adventure in Echtzeit von 3 Minute Games mit „Der Marsianer“-Thematik. Verfügbar ist das Spiel sowohl für iOS, als auch für Android.

Taylor ist auf einem fremden Planeten gestrandet. Er weiß nicht, wo er ist. Er weiß nicht, wie er heim kommen soll. Ausgerechnet DU empfängst seine Nachrichten. Als Astronaut in Ausbildung scheint er ohne seine Crew unsicher und hilflos. – Darum fragt er dich bei jeder wichtigen Entscheidung!

Wie fesselnd das Spiel ist, habe ich gemerkt, als ich am Abend vor meiner Berlin-Reise zum ersten Mal mein only-Wifi-Tablet verflucht habe – schließlich kommen dann Taylors Nachrichten nicht durch, nicht wahr? 🙂 Nicht wahr! Fünf Sekunden später dämmerte mir: Es ist ein offline Spiel! 🙂 Stundenlange Zugfahrt gleich halb so schlimm. I love it!

[Link zur Amazon-Beschreibung]

Falls ihr es kaufen wollt: In den jeweiligen App-Stores sollte es das Spiel auch auf Deutsch geben. Ich schreib darüber in „Visual Novels“, wenn ich es durchhabe oder kläglich gescheitert bin. Ich spiele es jetzt seit vier Tagen und NOCH lebt mein Taylor!


Der Marsianer Book Cover Der Marsianer
Andy Weir
SciFi Survival
Heyne
13.10.2014
ebook
513

Gestrandet auf dem Mars

Der Astronaut Mark Watney war auf dem besten Weg, eine lebende Legende zu werden: Als einer der ersten Menschen in der Geschichte der Raumfahrt betritt er den Mars. Nun, sechs Tage später, ist Mark auf dem besten Weg, der erste Mensch zu werden, der auf dem Mars sterben wird: Bei einer Expedition auf dem Roten Planeten gerät er in einen Sandsturm, und als er aus seiner Bewusstlosigkeit erwacht, ist er allein. Auf dem Mars. Ohne Ausrüstung. Ohne Nahrung. Und ohne Crew, denn die ist bereits auf dem Weg zurück zur Erde. Es ist der Beginn eines spektakulären Überlebenskampfes ...

4 Gedanken zu “[Rezension] Andy Weir : Der Marsianer ist MacGyver auf dem Mars

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: