[Gaming] Lifeline Stille Nacht: Taylors Weltraum-Textadventure mutiert von Marsianer- zu Dead Space-Thematik

IMG_0272[Gaming] Lifeline Stille Nacht: Taylors Weltraum-Textadventure mutiert von Marsianer- zu Dead Space-Thematik

Im Idealfall hat „euer“ Taylor es in Lifeline 1 lebendig vom Planeten Tau Ceti geschafft, auf dem er strandete. Mit Eurer Hilfe wurde er gerettet, hat alle Gefahren überstanden und ist daran nicht zerbrochen. Oder nicht? Dann solltet Ihr zuerst Lifeline 1 spielen, denn Lifeline Stille Nacht setzt genau dort an und spoilert gnadenlos alles, genau wie dieser Beitrag!

Rezension Lifeline (Taylor – Teil 1) – Thematik: Marsianer, Andy Weir

Rezension Lifeline 2 Bloodline (Arika – Teil 1) inkl. Was ist ein Echtzeit-Textadventure? Thema: Urban Fantasy-Druidin

Rettet Taylor!

Taylor befindet sich an Board des Raumschiffes White Star, welches ihn vor den Aliens rettete, die seine Crew… nennen wir es „recycleten“. Unter der Leitung Captain Shepards (hehe) fliegt die Crew durchs All: Boardarzt Joseph Artesa, Navigationsoffizierin Mari Lee, drei Minenarbeiter (Donald, Aries und Bos, denen Taylor sein Leben verdankt), außerdem an Board: Captain Aya von der Varia, noch immer im Koma.

Plötzlich steuert ein fremdes Raumschiff auf die White Star zu. Allen Ausweichmanövern zum Trotz rammt es Taylors Raumschiff. Dann ist es plötzlich düster auf der White Star – und totenstill. Und Taylor merkt: Etwas ist an Board gelangt.

Lifeline Stille Nacht fühlt sich wie Dead Space an

Taylor ist immer noch Taylor. Er ist unsicher, verängstigt, panisch. Hinter jeder Ecke sieht er Schatten, in den Schatten Personen und in den Personen das Böse. Wer könnte es ihm nach seinem letzten Abenteuer verübeln? Aber ehrlich: Eine große Hilfe ist er euch nicht, aber gute (galgenhumorartige) Unterhaltung. Irgendwo zwischen Panik und Wahnsinn pendelt sein Gemütszustand, teilweise in Depression. Ihr habt alle Hände voll zu tun, ihn auf Kurs zu halten.

Lifeline Stille Nacht fühlt sich nach Dead Space an, nicht (wie vermutet) nach Mass Effect. Ein Schlübbersprenger! Nicht zuletzt des großartigen Soundtracks wegen, standen die Haare zu Berge! Die Musik klingt wie zum Zerreißen gespannte Nerven, über die Schweißperlen rinnen. Dazu das grauenhafte Atmen… ein Knarren, Schritte? Irgendetwas ist an Board des Raumschiffs: Du weißt nicht was, du weißt nicht wo – nur, dass es dir irgendwann unausweichlich begegnen wird. Der Tod sitzt dir stets im Nacken: Das siehst du, das hörst du, das spürst du in jeder Zeile.

IMG_0231Navigation und ungenutztes Potenzial

Auf der Karte der White Star könnt ihr die Verbindungstüren sehen, außerdem wo Taylor gerade ist. Ehrlich: Ich habe sie kaum genutzt. Etwas freier hätte das Gameplay sein können: Wieso kann ich Taylor vom Bereitschaftsraum nicht gezielt zur Krankenstation bugsieren? Oder wieso erzählt er mir nicht, wieso er nicht zur Krankenstation gelangen kann oder will, wenn ich auf die Karte klicke. Auch Hintergrundinfos wären eine Option: Erzähle mir etwas über die Rettungskapseln! *klick* Hier gibt es viel ungenutztes Potenzial.

[Taylor stolpert durch die Dunkelheit]

Länge, Taktik und mein Fail!

Generell sind die Pausen, in denen sich Taylor nicht meldet, viel kürzer als bei Arika aus Lifeline 2. Das liegt an den kürzeren Laufwegen, und daran, dass Taylor keine Chance hat, Schlaf zu finden oder auch längere Zeit zu verschnaufen. Schließlich lauert überall der Tod – oder Schlimmeres?

Mein erster Durchgang endete abrupt nach 24 Stunden. Autsch! Ich glaube, ich hab mich auch selten dämlich angestellt: Als Einzelgänger mit der „Ich riskiere nix“-Nummer. Ehrlich, so ein Vorgehen hätte ich als Entwickler auch gestraft. Im zweiten Durchgang bin ich (wie immer) volles Risiko gegangen. Obwohl ich die Gefahr nun kannte (oder gerade deswegen), hat mich das Abenteuer erneut in seinen Bann gezogen. Und… das war noch viel schneller vorbei. So leicht wie seine Vorgänger war das Spiel nicht zu bewältigen.

Im Vergleich zu den vorherigen Spielen ist viel schwerer, zu überleben. Lifeline 1 benötigte bei mir zwei Durchgänge, 5-6 Tage, um die „Ideallösung“ freizuschalten. Lifeline 2 Bloodline überlebte ich beim ersten Versuch, 6 Tage. Bei Lifeline Stille Nacht hänge ich nun nach 3 Tagen und Taylors fünften Tod noch immer in dem endlosen Gewirr an Optionen – und finde in jedem Anlauf noch einen neuen Weg, ein neues Item, einen Trick, einen Kniff… Dennoch bin ich etwas ratlos. Die Tode, die mein Taylor starb, waren zumeist nicht vorherzusehen und – nicht zu vermeiden? Meist stolperte Taylor mehr in sein Unglück, als dass er bewusst zu viel riskierte. Gegen Ende wird das Spiel mehr und mehr zum Ratespiel: Tor 1, 2 oder 3?

Mein Retter: Der Schnellmodus

Nach Ende des Abenteuers, d.h. nach dem ersten freigespielten Ende, steht der Schnellmodus zur Verfügung, der den Spieler an einen beliebigen Punkt der Geschichte zurückspringen lässt. Die Abstände der vorgegebenen Speicherpunkte sehr groß (nach dem längsten Spielweg gibt es nur 5 Speicherstände) und damit fast nutzlos im späteren Spielverlauf. Durch die Pfeile neben den Entscheidungen könnt ihr aber jederzeit jede einzelne Entscheidung ändern, was ich euch empfehle. Etwas ungenutztes Potenzial sehe ich auch hier: Schön wäre auch, könnte man die Textgeschwindigkeit nach dem ersten Durchgang etwas beschleunigen. An manchen Stellen kommt man unweigerlich zweimal vorbei.

Zum Ende aller Enden

Vier Tage brauchte ich für das komplette Spiel mit allen Enden per Schnellmodus; da das Spiel sich aber nach spätestens 2-3 Stunden meldet (meist schon nach einigen Minuten) geht das bestimmt bei intensiverer Handynutzung auch schneller. Dennoch kommt eine Menge Text zusammen!
Lifeline Stille Nacht ist komprimierter, nervenzerreißend spannend und hat mehr Alternativwege pro Entscheidung als die Vorgänger. Der Schwerpunkt liegt hier mehr aufs Rätseln und Umdenken. Der Schwierigkeitsfaktor ist höher. Leider wurde das Spiel gegen Ende eher ein Ratespiel; schwierige Situationen löste ich, auf scheinbar ungefährlichem Terrain haute es Taylor plötzlich aus den Socken. Dead Space-Feeling, nicht wahr?

Stern3-1

Eine Frage bleibt: Hat jm herausgefunden, wer der Vater vom Baby ist?


[Übersicht] Lifeline by Three Minute Games

1. Lifeline (Taylor 1) a la Marsianer
2. Lifeline 2 Bloodline (Arika 1) nach Urban Fantasy-Art mit moderner Druidin in Chucks
3. Lifeline Stille Nacht (Taylor 2) a la Dead Space

(Lifeline 2 Bloodline kann ohne Vorwissen gespielt werden; die Geschichte ist unabhängig.
Lifeline Stille Nacht ist der direkte Nachfolgeband von Lifeline und spoilert die Story des ersten Teils.)

Lifeline gibt es für Android und iOS (inkl. Apple Watch, was ich mir interessant vorstelle).
Derzeit (23.1.15) sind die Lifeline-Spiele für iOS im Angebot für je 99 Cent.

Lifeline Stille Nacht Book Cover Lifeline Stille Nacht
Lifeline
Dave Justus
SciFi Weltraum Echtzeit Textadventure
Three Minute Games
19.12.15
iOS und Android App
3 Tage, je nach Handynutzung

»Lifeline: Stille Nacht« ist eine berührende Geschichte, in der es ums Überleben in der unendlichen Weite des Weltalls geht. Von Dir hängt es ab, ob die verzweifelte Crew der White Star sicher zur Erde zurückkehrt. Nicht nur Taylors Schicksal liegt diesmal in Deiner Hand, sondern das der ganzen Welt!

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