The Hole Brandon Q Morris hard SF kindle unlimited

The Hole von Brandon Q. Morris

The Hole Brandon Q Morris hard SF kindle unlimited[Rezension] Brandon Q. Morris: The Hole – Science meets Fiction

Mit The Hole veröffentlicht Brandon Q. Morris einen eigenständigen Roman, der unabhängig von der Eismond-/Proxima-Reihe gelesen werden kann. Zwar bleibt Morris seinem Universum treu und man findet im Roman viele bekannte Namen, doch übernimmt The Hole (im Gegensatz zum Proxima-Spinoff) keine Hauptcharaktere der Eismond-Reihe. Zeitlich spielt The Hole etwa 20 Jahre nach Ende der Enceladus-Mission.

[Auch wenn The Hole als eigenständiger Roman lesbar ist, solltet ihr vorn anfangen: Die Eismond-Reihe beginnt mit Enceladus und umfasst bisher vier großartige Romane sowie eine Spinoff-Trilogie (Band 3: April ´18), die mir überhaupt nicht gefiel. Hier geht´s zu meiner Rezi zu Band 1.]

Im Weltraum: Rohstoffjäger auf Kollisionskurs

Doug ist Schatzjäger an Bord des alten Bergbauschiffs Kiska, das vor mittlerweile zwei Jahren auf dem Asteroiden 2003 EH1 landete. Seine Crew baut Rohstoffe wie Metalle und seltene Erden ab, die dort in deutlich höherer Konzentration auftreten. In 1110 mal 24 Erdstunden werden sie reich sein. Doug, Maria und Sebastiano sind alte Haudegen, die sich ihren Ruhestand verdienen wollen. Es ist der letzte Flug ihres Schiffs, weg von der Basis, in der sie mehr als 5 Jahre auf 60qm lebten. Nun warnt das Radar vor einer möglichen Kollision mit einem unbekannten Objekt. Ein fremdes Schiff, tippen sie, das sich nicht identifizieren kann oder darf. Aber wieso?

Auf der Erde: Der Weg zu wissenschaftlichem Ruhm

„Menschen sind fehlbar und geben sich statt mit dem globalen Optimum oft mit einem lokalen Maximum zufrieden.“ Pos. 1734

Astrophysikerin Maribel Pedreira arbeitet im Besucherzentrum eines Observatorio del Teide nahe La Laguna/Teneriffa auf 2400 Meter Höhe. Das Observatorium gehört zu den Top-3-Astronomiestandorten der Welt. Trotz ihrer Ambitionen, echte Wissenschaft zu betreiben, besteht ihr Arbeitsalltag zu großen Teilen daraus, Besucher durch die Location zu führen. Das ändert sich, als ihr Chef ihre Hilfe bei einem wissenschaftlichen Paper braucht, auf dem später ausschließlich sein Name stehen wird. Doch in ihren Recherchen stößt Maribel auf eine Abweichung im Modellsystem, die ihr keine Ruhe lässt. Denn diese Abweichung nähert sich in rasantem Tempo der Erde.

Zwischen den Sternen: Ewige Einsamkeit

„Spaß ist ein interessantes Konzept. Man tut etwas um des Vorgangs willen, nicht wegen des Ergebnisses.“ Siri, Pos. 3227

Die KI Watson fliegt seit 20 Jahren ohne menschlichen Kontakt durchs All, sein Weg führt ihn aus dem Sonnensystem heraus. Denn eine KI mit Gefühlen wäre auf der Erde eine Sensation und Tabubruch zugleich; man würde ihn vernichten. Watson aber will sich weiterentwickeln. Ob sich ihm eine solche Gelegenheit bieten wird? Und: Wovon träumen eigentlich KIs?

Von Hoffnungsträgern und – „YOLO!“

„Ob ich optimistisch oder pessimistisch bin, ändert nichts am Ausgang der Sache. Aber bis es entschieden ist, fühle ich mich besser.“ -Watson, Pos. 4122

Wie reagiert die Politik auf den nahenden Weltuntergang? Plötzlich werden Gelder frei, von denen die Wissenschaft nie zu träumen wagte. Doch was, wenn auch das nicht genug ist, um alle zu retten? Natürlich könnten wenige Menschen per Raumschiff entkommen, hätten aber weder Heimat noch Hafen, um je wieder zu landen. Auch der Bau von Bunkern bietet der Menschheit wenig Chancen. Doch wie findet man sich mit dem entgültigen Ende ab?

Sechs Monate bleiben den Wissenschaftlern, um die Welt zu retten. Während sich die Verbrechens- und Suizidraten in manchen Ländern verzwanzigfachen und ein Drittel der Arbeitnehmer nicht mehr bei ihrem Job erscheinen, versucht Maribel auf ihre Weise, die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten. Als Chefin des Arche-Projekts dient sie als Hoffnungsträger der Menschheit und soll für eine chancengleiche Platzverteilung in der letzten Zuflucht der Menschheit sorgen. Kein leichter Job in der sterbenden Welt, in der Angst & Wut dominiert.


The Hole – Eine Eismond-Fortsetzung?

Jein. Verbindungen zur Enceladus-Mission sind vorhanden und gut eingefädelt. So scheint der russische Milliardär Schostakowitsch, der die zweite Enceladus-Mission finanzierte und dadurch an Marchenkos KI für die Proxima-Reise kam, auch als Gönner für die Asteroiden-Bergbau-Mission genannt. Astrophysikerin Maribel verfolgt ihr Ziel, Astronomin zu werden, seit sie als 12-Jährige auf Amy Michaels, der Chefin der Enceladus-Mission, traf. Die Hälfte der Crew der ILSE hat Gastauftritte. Robert Millikan vom Green-Bank-Observatory ist dabei. Zuletzt wird auch die KI Watson in der Story recycelt, von der ihr aber nicht mehr wissen müsst als dass er Gefühle entwickelt hat. Insgesamt ist es nicht zwingend notwendig, die vorherigen Reihen zu kennen, aber es macht Sinn, um die Komplexität schätzen zu können. Zudem erwähnt The Hole natürlich vergangene Ereignisse, nicht im Detail, aber häufig genug, damit es mich nerven würde, die Vorgänger verpasst zu haben.


Fazit: Über Partyvolk & die Rettung der Menschheit

„Hard Science Fiction. Alles, was der Autor beschreibt, könnte genau so Wirklichkeit werden.“ (Klappentext)

The Hole ist ein „Was wäre wenn…“-Weltuntergangsszenario mit einer idealistischen jungen Wissenschaftlerin in der Hauptrolle. Mir gefiel Maribels Weg sehr gut, sie ist ehrgeizig, clever und bissig, dabei weitgehend vernünftig. Für Leser mit Vorwissen rufen viele Szenen Erinnerungen an die Eismond-Reihe wach. Und dabei fühlt sich The Hole nach den mauen Proxima-Teilen endlich wieder wie ein richtiger, vollständiger Sci-Fi-Roman an!

Würdest Du deine große Liebe ziehen lassen, um sie in Sicherheit zu wissen, oder ohne sie auf die Arche ziehen, um sie ihrem Schicksal zu überlassen? Das Szenario ist konfliktreich, emotional, ein bisschen herzergreifend und ebenso nervenzerreißend spannend geschrieben. Etwas nervig fand ich die – jetzt emotionalen- KIs, die Glückskekssprüche am Laufenden Band lieferten. Gut für mich, einige ihrer Zitate findet ihr zwischen den Überschriften dieser Rezi. 😉

Brandon Q. Morris fasziniert für die Astrophysik, erklärt anschaulich und bricht jede Kalkulation mit fantasievollen Ideen: wunderbar beschriebenen Sinneseindrücken oder der Menschlichkeit einer Maschine. Es gibt viele kleine Highlights und – halleluja! – ein befriedigendes Ende. #happyme und …

Wie üblich befindet sich im Anhang ein aufs Hauptthema des Romans bezogene Sachbuch-Teil mit Hintergrundinfos zum fiktiven Szenario (real vs. Fiction): „Die neue Biografie Schwarzer Löcher“.



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[Übersicht] Brandon Q. Morris: Eismond- & Proxima-Reihe

(erst Eismond, dann Proxima!)

Eismond:

1. Enceladus [Rezi]
2. Titan [Rezi]
3. Io [Rezi]
4. Enceladus: Die Rückkehr [Rezi]

Die Bände sind auch als Sammelband erschienen:

Proxima:

1. Proxima Rising [Rezi]
2. Proxima Dying [Rezi]
3. Proxima Dreaming (angekündigt: 22. April 2018)

…und dann The Hole. 🙂

… und wenn euch Brandon Q. Morris gefallen hat, schaut doch mal in die Romane von Phillip P. Peterson (Rezis: Transport, Paradox) oder Thariot hinein.

Weitere Links:

[Autor Matthias Matting (alias Brandon Q. Morris) im Interview mit Tom Oberbichler von “Mission Bestseller”. Nicht nur für Autoren interessant. 🙂 ]

The Hole Book Cover The Hole
Keine, aber Eismond-Universum.
Brandon Q. Morris, Matthias Matting
Hard Sci-Fi
kindle Indie
08.02.2018
eBook
508

Ein mysteriöses Objekt droht, unser Sonnensystem zu zerstören. Obwohl das Überleben der Menschheit auf dem Spiel steht, nimmt niemand die Entdeckung der jungen Astrophysikerin Maribel Pedreira ernst. Währenddessen schürft an der Grenze unseres Sonnensystems eine eingeschworene Crew von Außenseitern auf einem Asteroiden nach seltenen Erzen - bis sich herausstellt, dass sie die Letzten und die Einzigen sind, die unsere Welt vielleicht noch retten können. Denn The Hole rast unerbittlich auf die Sonne zu. Hard Science Fiction. Alles, was der Autor beschreibt, könnte genau so Wirklichkeit werden. Bonus im Anhang: "Die neue Biografie Schwarzer Löcher" – was die Wissenschaft über dieses mysteriöse Phänomen weiß. Über den Autor: Brandon Q. Morris ist Physiker und Weltraum-Spezialist. Schon als Kind wollte er entweder Astronaut oder Schriftsteller werden. Mit über 80.000 verkauften Science-Fiction-Büchern hat er inzwischen letzteres geschafft.

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